Thierse verteidigt Sellerings Äußerungen zur DDR
Hamburg (ddp-nrd). Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat vor einer Schwarzweiß-Malerei beim Umgang mit der DDR-Geschichte gewarnt. «Sich differenziert und entschieden über die DDR-Geschichte zu äußern, halte ich für selbstverständlich und richtig», sagte Thierse am Montag im Interview mit stern.de. Er verteidigte damit die Äußerungen des Ministerräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (SPD), in der DDR sei nicht alles schlecht gewesen.
«Wenn man nur schwarz malt, dann werden die allermeisten Ostdeutschen sich dagegen wenden und sagen: Unsere Erinnerung ist anders», sagte Thierse weiter. Auch für Thierse hatte die DDR positive Seiten: «Es gab Alltagssolidarität, es gab ein paar ganz sympathische Regelungen in der DDR, an die sich alle erinnern und die in mancherlei Hinsicht - man denke an Bildungsfragen - sogar Vorbild für andere Länder in Europa gewesen sind», sagte er. Gleichzeitig betonte Thierse jedoch, dass die DDR «kein Rechtsstaat» gewesen sei. Es habe «keine unabhängige Justiz, keine Verwaltungsgerichtsbarkeit» gegeben.
Die heftige Kritik der CDU an den Äußerungen Sellerings ist für Thierse unverständlich: «Die CDU sollte sich daran erinnern, dass sich in ihren Reihen Mitglieder von zwei DDR-Blockparteien befinden, die in der DDR mindestens unter der Überschrift ‘Anpassung’ gelebt haben», sagte der SPD-Politiker. «Was ich ihnen nicht vorwerfe - Anpassung ist ein Lebensrecht des kleinen Mannes.»
(folgt Zusammenfassung bis 18.00 Uhr)
Ebenfalls Lesenswert:
- Thierse fordert eine differenzierte Bewertung der DDR
- Linke-Abgeordnete verärgert CDU mit Äußerung über Justiz
- Richterbund fordert Selbstverwaltung der Justiz
- CDU empört über Sellerings Äußerungen zur DDR-Geschichte
- CDU-Minister kritisieren Sellerings Äußerungen zur DDR
