Experten rechnen 2009 mit «Katastrophenjahr» für die Störche

Rostock (ddp-nrd). In den Storchenländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben 2009 deutlich weniger Vogelpaare Nachwuchs bekommen als in den vergangenen Jahren. «Diese Saison könnte ein Katastrophenjahr werden, wie wir es bereits 2005 und 1997 hatten«, sagte Bernd Ludwig von Naturschutzbund Brandenburg (NABU) am Freitag auf ddp-Anfrage. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Storchenexperte Hans-Heinrich Zöllick erwartet einen Einbruch der Jungstorchzahl. Sogenannte Störungsjahre gebe es aber immer wieder, wichtig sei, dass der Gesamtbestand der Weißstörche erhalten bleibe und derzeit sogar wachse, sagte Zöllick auf ddp-Anfrage.

Grund für die schlechte Brutsaison ist in diesem Jahr unter anderem der viel zu trockene April, wodurch die Vögel kaum Nahrung fanden. Der Mai und der Juni waren wiederum zu kalt und zu feucht. Auch die schlechten Witterungsbedingungen für die Altvögel auf ihrem Flug nach Deutschland könnten das Brutverhalten beeinträchtigt haben. »Bis Ende März sind normalerweise die Hälfte aller Störche im Brutgebiet, die ersten in diesem Jahr kamen erst Anfang April«, sagte Zöllick, der die Störche in Mecklenburg-Vorpommern seit 40 Jahren beobachtet. Viele Störche hätten, da sie später ankamen, dieses Jahr gar nicht erst gebrütet oder die Jungen aus ihren Horsten geworfen.

In den beiden Bundesländern, in denen sich die Hälfte aller in Deutschland brütenden Störche niederlassen, wurden in diesem Jahr zudem deutlich weniger Mehrlingsgeburten registriert. In Mecklenburg-Vorpommern wurden in den allermeisten Fällen nur ein oder zwei Jungtiere pro Paar aufgezogen. «Vor einigen Jahren hatten wir zwei Dutzend Fünflinge, mitunter sogar Sechslinge», sagte Zöllick. Bei den diesjährigen Beringungsaktionen sei dagegen noch nicht einmal ein Nest mit vier Jungstörchen entdeckt worden.

Vergangenes Jahr gab es nach Angaben des NABU in Brandenburg rund 1300 Brutpaare. Für 2009 liegen noch keine landesweiten Zahlen vor. In Mecklenburg-Vorpommern gab es 2008 rund 850 Brutpaare mit rund 1100 Jungstörchen, fünf Jahre zuvor waren es noch 1150 Paare mit rund 2500 Jungstörchen. International dagegen nahm die Zahl der Brutpaare in den vergangenen zehn Jahren von 166 000 auf 230 000 stark zu.

(folgt Nachrichtenfeature bis 13.00 Uhr)

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