Schuldnerberater rechnen wegen Finanzkrise mit wachsender Nachfrage
Schwerin (ddp-nrd). Wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise ist eine Trendwende bei der Überschuldung privater Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern nicht in Sicht. Vielmehr werde mit einem Anstieg der Schuldenlast gerechnet, sagte der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung, Siegfried Jürgensen, am Donnerstag in Schwerin. Die Überschuldungsquote liege derzeit bei 18,6 Prozent. Damit galten 2008 fast 157 900 Haushalte als überschuldet.
Nach der Arbeitslosigkeit ist das geringe Einkommen Hauptursache von Überschuldung. Darüber hinaus bilde die fehlende Kompetenz bei der Regelung finanzieller Angelegenheiten ein erhöhtes Überschuldungsrisiko, sagte Jürgensen. Der Beratungsbedarf nehme ständig zu und übersteige die Kapazitäten der Beratungsstellen. Wachsende Wartezeiten auf einen Ersttermin seien die Konsequenz.
Der Schuldenberg im Land wird laut Jahresbericht 2008 von den Schuldnerberatern auf rund 3,6 Milliarden Euro geschätzt. Bankschulden machen mit knapp 53 Prozent den größten Anteil der Gesamtverbindlichkeiten aus.
Knapp 4700 Menschen wurde 2008 zum ersten Mal in einer der 30 Beratungsstellen Hilfe angeboten. Die durchschnittliche Schuldenhöhe lag pro Neufall bei über 22 700 Euro. Die gesamten Verbindlichkeiten der neu aufgenommenen Klienten bezifferte Jürgensen mit rund 106 Millionen Euro.
Der Anteil der «Hartz IV»-Empfänger lag darunter bei 52,3 Prozent. Fast ein Drittel machten junge Schuldner bis 28 Jahre aus. Bis zu drei Viertel von ihnen standen wegen unbezahlter Handyrechnungen in der Kreide. Die durchschnittliche Höhe der Mobiltelefonschulden lag 2008 bei rund 1046 Euro, knapp 360 Euro mehr als 2007. Ein neues Phänomen seien Internetschulden durch dubiose kostenpflichtige Angebote mit Gewinnspielen und Online-Stammbaum-Diensten.
Jürgensen verwies zugleich darauf, dass insbesondere Kinder unter der Schuldenlast ihrer Familien zu leiden hätten. Den leichten Rückgang der Überschuldungsquote um etwa zwei Prozentpunkte gegenüber 2007 führte Jürgensen auf statistische Gründe zurück. Zum Teil sei die Beratungskapaziät reduziert worden, zudem sei die Zahl der privaten Haushalte angewachsen.
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